Kosmos Antike:


Latein und Griechisch


öffnen Welten

Bundeskongress des Deutschen Altphilologen
verbandes

2016

29. März — 02. April 2016 | Humboldt-Universität zu Berlin

Liebe Kolleginnen und Kollegen, sehr verehrte Freunde der Alten Sprachen,

Sabine VogtWer im Laufe des vergangenen Jahres die Feuilleton-, Bildungs und Kulturseiten überregionaler Tages- und Wochenzeitungen aufschlug, konnte immer wieder auf umfangreiche Artikel zu Latein und Griechisch stoßen. Um nur drei Beispiele zu nennen: in der Süddeutschen Zeitung unternahm Rudolf Neumaier unter dem Titel „Noli timere, regina linguarum“ eine ganzseitige „Ehrenrettung“ (so der Untertitel) für Latein als „einen Schatz, der unser Denken bereichert und unser Sprachgefühl steigert“, in der ZEIT hielt Ulrich Greiner ein „Plädoyer für die Künste und die alten Sprachen“ unter dem programmatischen Titel „Schönheit muss man lernen“, und in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung machte sich Heike Schmoll für Altgriechisch als Beispiel eines erhaltenswerten „Orchideenfaches“ an Gymnasien stark.

Diese Artikel erschienen jeweils als Reaktionen auf konkrete Anlässe: als Widerspruch gegen die populäre These, in der Schule sollten vorrangig praktisch anwendbare Fähigkeiten erworben werden, als Verteidigung gegen die drohende Abschaffung der Latinums-Anforderungen für das Studium der meisten Lehramts-Fächer in Nordrhein-Westfalen oder gegen die drohende Einstellung des Griechisch-Kurses an einem hessischen Gymnasium. Ein noch viel breiteres Presseecho fanden im vergangenen Herbst zwei Neuerscheinungen auf dem Büchermarkt: das jüngste Asterix-Heft „Der Papyrus des Caesar“ und der Abschlussband „Dictator“ der Cicero-Trilogie von Robert Harris wurden auf allen Kanälen von Fernsehen, Rundfunk und Zeitungen gefeiert als zwei auflagenstarke Bestseller, die auf höchst unterschiedliche Weise das spätrepublikanische Rom lebendig werden lassen und zugleich anhand prominenter Figuren der Antike zu Reflexionen über die heutige Welt der Medien und der Politik anregen.

Insbesondere die Figur des Cicero, der immer wieder mit dem Interessenkonflikt zwischen moralischen Prinzipien und pragmatischen Machtentscheidungen ringt, wird auch in seinen Ängsten und Zweifeln plausibel – Harris „schreibt modern, ohne die Geschichtlichkeit der Geschichte zu denunzieren,“ lobt Bernd Graff in der Süddeutschen Zeitung, denn Cicero sei für Harris „ein Mann der transzendentalen Obdachlosigkeit, ein Mann der Tat gleichwohl, der sein Schicksal selbst in die Hand nimmt. Und hier sieht Harris auch den plausiblen Zugang für einen Brückenschlag: Die Zeit, in der Cicero so selbstbewusst (und -verloren) wirkte, ähnelt unserer Zeit.“

Diese kleine Auswahl aus dem Pressespiegel des Jahres 2015 sei als Einstimmung auf unseren Bundeskongress in Berlin vorausgeschickt. Denn die beiden darin aufscheinenden Akzente bilden in ihrer Unterschiedlichkeit gleichsam Eckpfeiler im Kongressprogramm: Einerseits das reiche Themenangebot aus Literatur, Geschichte und Philosophie der Antike, das die heutigen Rezipienten zur Reflexion von Alteritäten und Identitäten einlädt, und zwar mit verschiedenen methodischen und didaktischen Zugängen. Andererseits die Rolle der Alten Sprachen in der Schul- und Universitätsbildung, in den Gesellschafts- und Bildungsdiskursen nicht nur in den verschiedenen Bundesländern der Bundesrepublik, sondern auch in Nachbarländern in Europa und in den USA. Denn dass Latein und Griechisch nicht unangefochten an den Schulen und Universitäten gefragt sind, ja dass wir Vertreterinnen und Vertreter dieser Fächer um das Interesse daran auch werben müssen, und zwar mit immer wieder neu gedachten und neu formulierten Argumenten, das wird immer wieder aufs Neue gefordert durch neue Anlässe bildungspolitischer ebenso wie gesellschaftlicher Natur. Dabei können wir durchaus zufrieden damit sein, dass das statistische Bundesamt Latein bundesweit (trotz erheblicher Schwankungen unter den Bundesländern) nach wie vor als drittstärkste Fremdsprache nach Englisch und Französisch ausweist.

Über solche und viele andere Fragen wollen wir uns in den kommenden Tagen austauschen. Unter dem Motto „Kosmos Antike: Latein und Griechisch öffnen Welten“ laden wir Sie zu einem überaus reichhaltigen und vielseitigen Programm an Vorträgen und Arbeitskreisen zu verschiedenen Fragestellungen und Perspektiven der inhaltlichen Erschließung und Vermittlung des „Kosmos“ ein, den Sprachen und Literatur, Kultur und Kunst, Geschichte, Philosophie und Wissenschaft der Antike uns bieten. Für ihre Beiträge zum Gelingen des Kongresses danken wir allen Referentinnen und Referenten sehr herzlich.

Eingerahmt wird der Kongress durch den Eröffnungsvortrag des Berliner Kirchenhistorikers Professor Dr. Christoph Markschies: „Das antike Christentum und der gegenwärtige Religionspluralismus“ und den Abschlussvortrag der bekannten Journalistin Susanne Leinemann: „Willkommen im Maschinenraum der europäischen Sprache!“ Einen weiteren Höhepunkt erreicht das Programm mit der Verleihung des Humanismuspreises an Professor Andrea Riccardi, den Gründer der Gemeinschaft St. Egidio, die auf heute besonders wichtige Weise einen Kosmos schafft und Welten öffnet: durch den Dialog unter den Religionen und Kulturen.

Der Berliner Kongress wäre nicht möglich ohne das große Engagement zahlreicher Kolleginnen und Kollegen. Das sind in allererster Linie die Berliner Kollegen Stefan Kipf und Ulrich Schmitzer, tatkräftig unterstützt von Betty-Marie Dafis und Ulrike C. A. Stephan im DAV-Kongressbüro an der Humboldt-Universität. Sie und ihr großes Team aus zahlreichen freiwilligen Helfern haben sich unermüdlich um die Planung und Organisation des Vortrags- und Begleitprogramms, die Erstellung des Kongressbegleiters und die vielen kleinen und großen Vorbereitungen für die Durchführung verdient gemacht. Ihnen möchte ich dafür meinen ganz besonders großen Dank aussprechen. Stellvertretend für das ganze weitere Planungs-Team möchte ich Tamara Choitz und Hartmut Loos danken, ebenso Fabian Ehlers für die grafische Gestaltung der Einladung und des Kongressbegleiters sowie Clemens Liedtke für die wie immer kompetente Unterstützung in allen digitalen Belangen. Mein besonderer Dank gilt den Verlagen, die in beeindruckender Weise Präsenz zeigen und dadurch einen wichtigen Beitrag zur Attraktivität des Kongresses leisten.

Wir freuen uns sehr, den Kongress in den Räumen der Humboldt-Universität zu Berlin durchführen zu können und bedanken uns bei den Vertretern der Universität für die großartige Kooperation. Im Namen des Vorstands des Deutschen Altphilologenverbandes heiße ich Sie alle herzlich willkommen und wünsche Ihnen anregende und ertragreiche Tage in Berlin!

Sabine Vogt Vorsitzende des Deutschen Altphilologenverbandes